Donnerstag, 11. Juli 2013

Masern Party Arzt

Zueignung


Warum, wollte der Junge wissen. Sie sagte, das sei doch schön, da sind ganz viele andere Kinder. Und bei anderen übernachten macht richtig Spaß. Er war nicht überzeugt.

 

Hans, lies Dir das mal durch, forderte sie ihren Mann auf. Er machte ein besorgtes Gesicht, wie er es öfters bei der morgendlichen Zeitungslektüre tat. Mit einem Schulterzucken wandte er sich den Sportmeldungen zu.

 

Es war ein richtiges Tohuwabohu, sämtliche Kinder schienen in der Blütezeit ihrer Kindheit, zumindest was die Unbeschwertheit und Sorglosigkeit angeht. Der Junge hielt sich an seiner Mutter fest. „Komm, geh schon spielen!“

 

Autismus? Ist das nicht diese Krankheit, wo die Kinder von der Aussenwelt abgeschnitten sind? Also das Risiko gehe ich nicht ein!“ Die anderen Mütter nickten, und schauten sich mit verschwörerischer Mine an.

 

Jetzt war er an der Reihe. Ihm war es zuwider, mit seinem Mund nach Äpfeln zu fischen. Und überhaupt, das spielte man doch nur an Geburtstagen, und hier hatte keines der anderen Kinder Grund zu feiern. Aber trotzdem standen alle um ihn und den Bottich herum, lachten und klatschten in die Hände.

 

Petra sprach jetzt von Körperverletzung, aber das wollten die anderen nicht als Einwand gelten lassen. Es ging ja schliesslich um die Zukunft ihrer Kinder, und so hatten es ihre Eltern auch schon mit ihnen gemacht, und überhaupt. Es wird schon das beste sein, es so zu machen, und am Ende lockte die Immunität.

 

Er konnte nicht einschlafen. Es war zu hell, warum wollten die anderen Kinder es hell haben, zum Schlafen musste es doch dunkel sein. Und warum wurden sie in den Keller gesteckt? Eines der anderen Kinder hustete.

 

 

Der Besuch

 

Schon wieder so viele andere Kinder, und alle hatten irgend was. Husten, Schnupfen, die Eine hatte tränende Augen – ob es wegen dem Arztbesuch war, wusste man nicht, dazu hätte man das Flüstern dieses Mädchens verstehen müssen, was nicht möglich war bei den schreienden Babys, bei dieser Geräuschkulisse, bei dieser Rangelei. Er sah nicht, warum sie rangelten, aber das war auch nicht so wichtig, er stürzte sich mit in das Getümmel, hustend.

Plötzlich schritten die Mütter ein, sie zogen ihre Kinder jeweils zu sich, und einige gingen aus dem Wartezimmer. Die Kinder waren blutig, das hatte er gar nicht gemerkt – oder es hatte ihn zumindest nicht gestört. Und seine Mutter schaute ihn ganz seltsam an. Er wusste nicht, warum, aber auf seinem Kopf war es seltsam warm. Die Wärme floss ihm über das Gesicht.

 

Es sieht schlimmer aus, als es ist.“ Sie streichelte ihm durch das klebrige Haar. „So, und weswegen sind sie eigentlich gekommen?“ Sie wollte nicht sagen, dass sie sich nur versichern wollte, ob er sich tatsächlich angesteckt hatte, also erzählte sie von den Symptomen. Husten, mehr war da nicht. „Ah ja, leichte Rötung im Hals. Ich empfehle Ihnen einen Hustensaft aus der Apotheke, und achten sie darauf, dass er genug trinkt. Und zu Hause bleiben sollte er die nächsten Tage auch.“ Der Arzt wandte sich der Sprechanlage zu: „Der kleine Michael Schmidt bitte!“

Montag, 4. März 2013

ohne Titel

allein im Zimmer
sitze am Fenster
das mach ich immer
das sind meine Gespenster

die sich hier laben
wähnen sich erhaben
doch gehts auch schlimmer
mit allen diesen Maden

renn nicht weg bleibe im Versteck ziehe nicht über Los mach Dich einsam

sie wollen mich erfüllen
mit ihrer langen Nacht
ich werde mich nicht enthüllen
stehe nicht in ihrer Macht